PŸUR-Datenleck: Bankdaten und Lastschriftmandate abgeflossen

Von Kevin Pabst •
IT-Security-Experte · Text mit KI-Unterstützung erstellt
PŸUR Datenleck 2026: blaue Netzwerkkabel an einer Verteilerplatine als Sinnbild für den Cyberangriff auf den Kabelnetzbetreiber
Bildquelle: Unsplash (Unsplash-Lizenz)

Wer Sie künftig anruft oder anschreibt, kennt womöglich Ihre Vertragsnummer und Ihre Abbuchungen. Das macht eine Fälschung schwerer erkennbar.

Die schnelle Antwort: Der Kabelnetzbetreiber PŸUR (Tele Columbus) meldet einen Cyberangriff aus dem Zeitraum Mitte September bis Anfang Oktober 2026. Abgeflossen sind laut Kundenschreiben Vertragsnummer, Name, Bankverbindung, Buchungsdaten und Lastschriftmandat, auch von ehemaligen Kunden. Wer per Lastschrift gezahlt hat, sollte jetzt seine Umsätze prüfen.

Der Vorfall in drei Zahlen

  • 2,7 Mio. angeschlossene Wohneinheiten zum 30. Juni 2026. Das ist die Reichweite des Netzes, nicht die Zahl der Betroffenen
  • 5 Datenarten im Kundenschreiben, darunter Bankverbindung und Lastschriftmandat
  • 8 Wochen bleiben Ihnen, um eine Lastschrift ohne Begründung zurückzugeben. Bei fehlendem Mandat sind es bis zu 13 Monate

Der Vorfall im Zeitverlauf

  1. Mitte September bis Anfang Oktober Angriff und Datenabfluss Angreifer übertragen laut Kundenschreiben Daten aus dem Firmennetz nach außen.
  2. 27. bis 29. Oktober Kunden werden informiert Die Berichte nennen unterschiedliche Tage, der Versand lief womöglich gestaffelt.
  3. 2. November Vorfall wird öffentlich heise online und der IT-Blog Borncity berichten über den Datenabfluss.
  4. Jetzt Umsätze seit September prüfen Unbekannte Abbuchungen der Bank melden, Nachrichten zum Vorfall misstrauen.

Was bei PŸUR passiert ist

PŸUR ist die Endkundenmarke der Tele Columbus AG, einem der großen deutschen Kabelnetzbetreiber. Wie heise online am 2. November berichtet, hat das Unternehmen Kunden per E-Mail über einen Cyberangriff auf die IT-Infrastruktur und den Vertrieb informiert. Nach eigenen Angaben hat Tele Columbus die Bundesnetzagentur, das BSI und die zuständigen Datenschutzbehörden unterrichtet und Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Mehr Details liefert ein Kundenschreiben, das der IT-Blog Borncity auszugsweise wiedergibt. Absender ist die Tele Columbus Netz GmbH. Demnach haben Angreifer Daten aus dem Firmennetz nach außen übertragen, darunter personenbezogene Daten eines Teils der aktuellen und ehemaligen Kunden. Der Angreifer sei nach der Entdeckung ausgesperrt worden. Das Unternehmen warnt selbst davor, dass die Vertragsdaten für gezielte Phishing-Angriffe missbraucht werden könnten.

Was noch offen ist: Eine Zahl der Betroffenen nennen die vorliegenden Berichte nicht. Zur Einordnung der Größenordnung taugt nur die Reichweite: Laut Halbjahresbericht von Tele Columbus waren zum 30. Juni 2026 rund 2,7 Millionen Wohneinheiten angeschlossen. Aus den dort genannten 2,61 Millionen gebuchten Produkten und durchschnittlich 2,09 Produkten pro Kunde ergeben sich rechnerisch rund 1,25 Millionen aktive Kunden (unsere Überschlagsrechnung), ehemalige Kunden nicht mitgezählt. Wie viele davon betroffen sind, ist nicht bekannt. Besonders stark vertreten ist PŸUR im Osten: In Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen hängt dem Bericht zufolge jeder vierte Haushalt an einem PŸUR-Kabelanschluss.

Unklar ist auch die im Schreiben enthaltene Angabe, die Daten stammten "aus dem Zeitraum 06.2022". Selbst der Borncity-Autor kann sie nicht einordnen, ein Leser berichtet dort von einem betroffenen Mandat aus dem Jahr 2019. Das ist nicht überprüft, spricht aber dafür, dass auch ältere Datensätze eine Rolle spielen könnten. Eine öffentliche Mitteilung fanden wir am 4. November auf der Startseite von pyur.com nicht. Wir stützen uns deshalb auf die genannten Berichte und das dort zitierte Schreiben.

Nicht verwechseln: der Vorfall von 2017

Wer nach "Pyur gehackt" sucht, stößt schnell auf ältere Meldungen. Im Oktober 2017 traf ein Angriff laut teltarif.de 74 Kundendatensätze. Diese Zahl hat mit dem aktuellen Fall nichts zu tun und taugt nicht als Beruhigung.

Da sich Abflüsse dieser Art oft erst später in Datenpaketen zeigen, sollten Sie nicht auf eine weitere Mitteilung warten. Benachrichtigt werden, wenn Ihre E-Mail-Adresse in einem neuen Leak auftauchtEigenwerbung

Welche Daten abgeflossen sind und was Täter damit anfangen könnten

Die Aufzählung im Schreiben ist kurz, die Kombination aber heikel: Sie enthält weniger Stammdaten als viele Shop-Leaks, dafür ungewöhnlich viel über die Zahlungsbeziehung zwischen Ihnen und Ihrem Anbieter.

Datenart Mögliches Risiko Woran Sie es merken
Bankverbindung und Name Lastschriftbetrug, wenn Täter eine Anschrift aus anderer Quelle ergänzen Abbuchungen unbekannter Händler oder Zahlungsdienste, Mahnungen für nie bestellte Ware
Vertragsnummer Glaubwürdige Anrufe oder Nachrichten im Namen von PŸUR Jemand nennt Ihre Nummer korrekt und will danach etwas von Ihnen: Daten, Zugang, Zahlung
Buchungsdaten Gefälschte Rechnungen und Mahnungen mit stimmigen Beträgen Zahlungsaufforderung mit neuer Bankverbindung, angeblich fehlgeschlagene Abbuchung
Lastschriftmandat Überzeugende Vorwände wie "Mandat erneuern" oder "SEPA-Daten bestätigen" Bitte um eine neue Einzugsermächtigung per Link, Formular oder Telefon
Passwort, E-Mail, Anschrift In der wiedergegebenen Aufzählung nicht genannt, damit aber nicht ausgeschlossen Passwort vorsorglich ändern, wenn Sie es auch woanders nutzen

Beim Lastschriftbetrug gilt: Wer eine SEPA-Lastschrift einreicht, behauptet lediglich, ein Mandat zu haben. Die Verbraucherzentrale beschreibt diese Masche so: Täter kaufen mit gestohlenen IBANs in Onlineshops ein, etwa über die Gastzahlung, für die Name, Adresse und IBAN genügen. Weder Händler noch Bank prüfen vorab, ob die Abbuchung autorisiert ist. Eine Anschrift steht zwar nicht in der bekannten Aufzählung. Täter könnten sie aber aus anderen Quellen ergänzen, etwa aus älteren Leaks.

Hier setzt die zweite Säule des Schutzes an: Je weniger Firmen Ihre Anschrift zusammen mit Ihrem Namen vorhalten, desto weniger Grundlage bleibt für solche Kombinationen. Bei Werbe- und Adresshändlern können Sie die Löschung verlangen, ob und wann ein Anbieter löscht, entscheidet er selbst. Löschanträge an die passenden Broker aus unserem Katalog verschickenEigenwerbung

Security Alert

Ihre Vertragsnummer galt bisher als stilles Erkennungszeichen: Wer sie kennt, muss von PŸUR sein. Das stimmt nun nicht mehr. Ein Anrufer, der Nummer, Namen und die Höhe Ihrer letzten Abbuchung korrekt nennt, kann diese Angaben aus dem Abfluss haben. Korrekte Daten sind deshalb kein Echtheitsbeweis mehr, ganz gleich wie vertraut das Gespräch klingt.

Die Daten könnten Tätern zudem zeigen, dass ein Konto aktiv genutzt wird oder wurde. Wie Sie gefälschte Absender trotz korrekter Anrede entlarven, zeigt unsere Anleitung mit sieben Prüfschritten für verdächtige Mails, vom echten Absender bis zum Kanalwechsel.

Bin ich betroffen? Die Prüfung in vier Fragen

Eine öffentliche Liste gibt es nicht, und in den Kommentaren bei Borncity berichten Kunden Unterschiedliches: Manche haben ein Schreiben, andere nichts. Diese Fragen helfen Ihnen beim Einordnen:

Bin ich betroffen? In vier Fragen

1
Haben Sie seit Ende Oktober ein Schreiben von PŸUR oder Tele Columbus zum Cyberangriff erhalten?
Ja: Rechnen Sie damit, dass Ihre Daten dabei sind. Klicken Sie keine Links darin an. Weiter mit Frage 2. Nein: Prüfen Sie auch den Spam-Ordner. Ausgeschlossen ist eine Betroffenheit damit nicht. Weiter mit Frage 2.
2
Hatten oder haben Sie einen eigenen Vertrag mit PŸUR, Tele Columbus oder primacom und zahlen per Lastschrift?
Ja: Ihre Bankverbindung könnte betroffen sein, auch bei einem beendeten Vertrag. Weiter mit Frage 3. Nein, Kabel-TV läuft nur über die Nebenkosten: Dann dürfte PŸUR keine Bankdaten von Ihnen haben. Weiter mit Frage 4.
3
Finden Sie seit Mitte September Abbuchungen, die Sie nicht zuordnen können?
Ja: Rufen Sie Ihre Bank an, verlangen Sie die Rückbuchung und erstatten Sie Anzeige. Nein: Gut. Aktivieren Sie Mitteilungen für neue Abbuchungen und prüfen Sie weiter. Weiter mit Frage 4.
4
Nutzen Sie Ihr Kundenportal-Passwort auch für andere Dienste?
Ja: Passwörter stehen nicht in der Aufzählung, ersetzen Sie es trotzdem überall, zuerst beim E-Mail-Postfach. Nein: Eine Änderung im Kundenportal genügt vorsorglich.
Klarheit schafft nur das Unternehmen selbst. Verlangen Sie nach Art. 15 DSGVO Auskunft über Ihre gespeicherten Daten und fragen Sie konkret, ob sie vom Vorfall betroffen sind.

Ob Ihre E-Mail-Adresse schon in anderen, bereits veröffentlichten Leaks steckt, ist die passende Ergänzung, denn genau dort könnten Täter fehlende Angaben finden. Kostenlos prüfen, in welchen bekannten Datenlecks Ihre Adresse auftauchtEigenwerbung

Was Sie jetzt konkret tun sollten

Die ersten drei Schritte erledigen Sie in wenigen Minuten im Online-Banking. Das Kundenschreiben enthält in dem bekannten Auszug keine konkreten Handlungsanweisungen, die folgende Liste ist deshalb unsere Einordnung auf Basis der Hinweise der Verbraucherzentrale.

Ob und wann eine weitere Kundenmail kommt, ist offen. Wer nicht darauf warten möchte, richtet für die eigene Adresse eine Frühwarnung ein. Leak-Frühwarnung für Ihre E-Mail-Adresse einrichtenEigenwerbung

Warum ehemalige Kunden besonders genau hinsehen sollten

An diesem Vorfall sticht vor allem eines heraus: Das Schreiben nennt ausdrücklich auch frühere Kunden. Wer vor Jahren gekündigt hat, denkt an den alten Kabelvertrag vermutlich kaum noch und achtet deshalb womöglich weniger auf eine Abbuchung oder eine Nachricht unter diesem Namen. Die damalige IBAN kann trotzdem noch gültig sein, denn viele Menschen behalten ihr Girokonto über Jahrzehnte.

Hinzu kommt der übliche Zeitversatz nach einem Abfluss: Die Tat liegt bereits mehrere Wochen zurück, was die Täter seither mit den Daten gemacht haben, ist nicht bekannt. Welche Rechte Sie bei einem konkreten Schaden haben könnten und was Gerichte bisher verlangt haben, erklärt unser Ratgeber zu Entschädigung nach Datenlecks mit den Urteilen von EuGH und BGH.

Häufige Fragen zum PŸUR-Datenleck

Ist die Nachricht von PŸUR zum Cyberangriff echt?
Den Versand von Benachrichtigungen hat heise online berichtet, es gibt also echte Schreiben. Eine einzelne Nachricht lässt sich von außen aber nicht sicher prüfen, und eine korrekte Vertragsnummer beweist nach diesem Vorfall nichts mehr. Öffnen Sie deshalb keine Links aus der Nachricht, geben Sie keine Bankdaten ein und rufen Sie das Kundenportal selbst im Browser auf. Für Rückfragen nutzen Sie die Rufnummer von einer alten Rechnung.
Ich habe keine Benachrichtigung bekommen. Bin ich damit sicher?
Das ist ein gutes Zeichen, aber keine Entwarnung. Das Unternehmen spricht von einem Teil der Kunden und nennt nach den vorliegenden Berichten keine Zahl. Wer per Lastschrift an PŸUR gezahlt hat, prüft seine Umsätze am besten so, als wäre er betroffen, und fragt im Zweifel schriftlich nach.
Mein Vertrag bei PŸUR ist längst beendet. Betrifft mich das noch?
Das ist möglich, denn das Schreiben nennt ausdrücklich auch ehemalige Kunden. Entscheidend ist, ob die damals genutzte Bankverbindung noch aktiv ist. Dann gelten dieselben Schritte wie für aktuelle Kunden. Zusätzlich können Sie Auskunft verlangen, welche Daten noch gespeichert sind, und nach Ablauf der gesetzlichen Aufbewahrungsfristen die Löschung verlangen.
Soll ich meine PŸUR-Lastschrift widerrufen oder das Konto wechseln?
Vorsorglich meist nein. Eine echte Lastschrift zurückzugeben kann zu Mahnungen führen, solange Ihr Vertrag läuft. Geben Sie nur Abbuchungen zurück, die Sie nicht zuordnen können. Einen Kontowechsel nennt die Verbraucherzentrale als letzten Schritt, etwa wenn fremde Abbuchungen trotz Rückgabe und Sperre weitergehen.
Was können Betrüger mit meiner Bankverbindung anfangen?
Mit Name, Anschrift und IBAN lassen sich bei manchen Onlineshops Lastschriften einreichen, etwa über die Gastzahlung. Eine Anschrift steht nicht in der bekannt gewordenen Aufzählung, sie könnte aber aus anderen Quellen ergänzt werden. Eine Überweisung von Ihrem Konto ist mit der IBAN allein nicht möglich, dafür wäre Ihr Online-Banking-Zugang nötig. Genau darauf zielt Phishing.
Könnte mir Schadenersatz zustehen?
Das hängt vom Einzelfall ab. Nach Art. 82 DSGVO können Betroffene einer Datenpanne unter Umständen Ersatz für materielle und immaterielle Schäden verlangen. Ob das hier zutreffen könnte, kann eine Verbraucherzentrale oder eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt einschätzen. Datenputzer bietet keine Rechtsberatung.

Warum ein einmaliger Check beim PŸUR-Leak nicht ausreicht

Eine Woche nach den ersten Schreiben ist öffentlich weder bekannt, wie viele Menschen betroffen sind, noch was mit den Daten geschieht. Eine vollständige Liste wird es womöglich nie geben. Erbeutete Datensätze tauchen zudem meist nicht sofort offen im Darknet auf: Häufig werden sie zunächst im kleinen Kreis verkauft oder von den Tätern selbst genutzt und erst Wochen oder Monate später breit gehandelt oder als Paket veröffentlicht. Der kostenlose Check zeigt nur bereits bekannte Leaks, ein unauffälliges Ergebnis von heute ist also keine Entwarnung.

Unser Darknet-Radar gleicht Ihre E-Mail-Adresse fortlaufend mit neu bekannten Datenpannen abEigenwerbung, zweimal täglich, und benachrichtigt Sie beim nächsten Abgleich nach einem neuen Treffer. Wichtig für diesen Fall: Der Radar arbeitet mit E-Mail-Adressen, eine Bankverbindung überwacht er nicht. Da in der bekannten Aufzählung keine E-Mail-Adresse steht, schlägt er nur an, wenn die Datensätze Ihre Adresse tatsächlich enthalten oder wenn sie in einem anderen Leak auftaucht. Ihre Umsätze prüfen Sie deshalb in jedem Fall selbst. Benachrichtigt werden, wenn Ihre Adresse in künftigen Leaks erscheintEigenwerbung

Machen Sie es Datenhändlern schwerer.

Ein Abfluss bei Ihrem Kabelanbieter liegt außerhalb Ihrer Kontrolle. Wie viele weitere Firmen Ihre Adresse vorhalten und ob Sie von neuen Leak-Funden erfahren, können Sie dagegen beeinflussen: mit Ihren Löschanträgen an die passenden Broker aus unserem Katalog und mit dem Darknet-Radar für Ihre E-Mail-Adresse.

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Hinweis der Redaktion: Die Redaktion setzt bei der Erstellung und sprachlichen Verbesserung ihrer Artikel KI-Systeme ein. Verantwortlich für den Inhalt: Kevin Pabst, Datenputzer. Die Artikel werden mit synthetischen Stimmen vertont, um sie einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.