Phishing-Mail erkennen: Sieben Prüfschritte vor dem Klick

Von Kevin Pabst •
IT-Security-Experte
Phishing-Mail erkennen: Mail-App mit zwei ungelesenen Nachrichten auf dem Smartphone-Bildschirm
Bildquelle: Unsplash (Unsplash-Lizenz)

Eine Fälschung wirkt umso echter, je mehr der Absender über Sie weiß. Einen Teil dieses Wissens kaufen Händler ganz legal bei Adressbrokern ein. Löschanträge an über 100 Werbe- und Adressbroker stellen lassen Eigenwerbung

Eine Phishing-Mail erkennen Sie heute nicht mehr an Tippfehlern, sondern an drei technischen Merkmalen: der echten Absender-Domain hinter dem Anzeigenamen, dem tatsächlichen Ziel eines Links und einem Anlass, den Sie selbst nicht ausgelöst haben. Prüfen Sie diese drei Punkte vor jedem Klick und öffnen Sie den Dienst im Zweifel über Lesezeichen oder App, nie über die Mail.

Die klassischen Ratschläge stammen aus einer Zeit, in der Betrugsmails mit „Sehr geehrte Kunde“ begannen und aus einem Übersetzungsprogramm kamen. Das ist vorbei. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik schreibt in seiner Übersicht „Wie erkenne ich Phishing in E-Mails und auf Webseiten?“ ausdrücklich, dass Rechtschreibfehler kein verlässliches Merkmal mehr sind und dass „https://“ keine Entwarnung bedeutet. Sprachmodelle schreiben fehlerfreies Deutsch, und ein Verschlüsselungszertifikat bekommt jede Betrugsseite kostenlos.

Dieser Ratgeber ersetzt das Bauchgefühl durch eine Prüfreihenfolge, die Sie in unter einer Minute durchgehen können. Er zeigt, wie Sie Adressen so lesen, dass Tarnungen auffallen, was die versteckten Kopfzeilen einer Mail verraten (und was nicht), und was Sie tun, wenn Sie doch schon geklickt haben.

Auf einen Blick: Phishing-Mails erkennen

  • Der Anzeigename („PayPal Service“) ist frei wählbar. Aussagekraft hat nur die Domain hinter dem @.
  • Adressen von rechts lesen: Entscheidend ist der Teil direkt vor dem ersten einzelnen Schrägstrich.
  • Ihr Name, Ihre Anschrift oder eine echte Bestellnummer beweisen nicht, dass eine Mail echt ist.
  • „DMARC: PASS“ in den Kopfzeilen bestätigt nur die Absender-Domain, nicht deren Seriosität.
  • Eine eigene Adresse pro Dienst macht gefälschte Absender auf einen Blick sichtbar.
  • Geklickt? Was jetzt zu tun ist, hängt davon ab, was Sie eingegeben oder geöffnet haben.

Warum gute Phishing-Mails kaum noch auffallen

Phishing, also das „Angeln“ nach Zugangsdaten mit einem gefälschten Köder, hat sich in zwei Richtungen weiterentwickelt. Erstens sind die Texte sprachlich sauber und optisch kaum vom Original zu unterscheiden, weil Logos, Schriftarten und Fußzeilen echter Mails einfach kopiert werden. Zweitens werden die Mails zunehmend persönlich. Fachleute sprechen dann von Spear-Phishing: Statt mit einem Schleppnetz Millionen Adressen gleich anzuschreiben, zielt der Täter wie mit einem Speer auf eine Person und nutzt dafür, was er über sie weiß.

Dieses Wissen stammt selten aus aufwendiger Recherche. Es liegt in Datenlecks vor, in denen neben E-Mail-Adressen oft Namen, Lieferanschriften und Bestellhistorien stehen. Eine Mail, die Sie mit Namen anspricht, Ihre Straße nennt und sich auf eine „Rücksendung vom 14.“ bezieht, fühlt sich deshalb echt an, obwohl jedes dieser Details aus einer kopierten Kundendatenbank stammen kann. Das ist die wichtigste Umstellung im Kopf: Persönliche Daten in einer Mail sind kein Echtheitsbeleg, sondern nur ein Beleg dafür, dass Ihre Daten im Umlauf sind.

Die sieben Prüfschritte in der richtigen Reihenfolge

Gehen Sie die Schritte von oben nach unten durch. Schon einer allein reicht, um eine Mail als verdächtig einzustufen. Die ersten drei sind technisch und damit zuverlässiger als jede Einschätzung des Tonfalls.

Tarnmuster in Adressen: so lesen Sie richtig

So sieht die Adresse aus Wohin sie wirklich führt Der Trick dahinter
paypal.de.konto-pruefung.info/login konto-pruefung.info Die Marke steht als Unteradresse ganz links. Der Inhaber der Domain kann davor schreiben, was er will.
paypal-sicherheit.de paypal-sicherheit.de Eine eigene Domain mit Markennamen und Zusatzwort. Sie gehört nicht dem Unternehmen, auch wenn sie offiziell klingt.
sparkasse.de@login-hilfe.com login-hilfe.com Alles vor dem @ in einer Webadresse wird als Anmeldename behandelt und vom Browser übergangen.
arnazon.de, paypa1.com eine fremde Domain Ähnliche Zeichen: „rn“ statt „m“, die Ziffer 1 statt des kleinen l. Fällt in kleiner Handyschrift kaum auf.
Adresse mit „xn--“ am Anfang eine fremde Domain Buchstaben aus anderen Alphabeten, die lateinischen gleichen. Browser zeigen solche Adressen oft in dieser Kodierung an, das ist ein Warnsignal.

Besonders tückisch sind Fälle, in denen ein echtes Unternehmen selbst Domains nutzt, die nach Fälschung aussehen, etwa für Kampagnen oder externe Dienstleister. Wie Banken damit ihren Kunden das Erkennen erschweren, zeigt unser Beitrag zu irreführenden Domains bei Banken und Sparkassen. Die Konsequenz ist dieselbe wie bei Schritt 7: Wer den Dienst grundsätzlich selbst aufruft, muss diese Unterscheidung gar nicht treffen.

Security Alert / Real Talk

Die gefährlichste Phishing-Mail ist nicht die mit dem Fehler, sondern die, die Ihnen auf eine Frage antwortet, die Sie tatsächlich gestellt haben. Wer kurz nach einer echten Bestellung eine Mail zur „Zahlungsbestätigung“ bekommt, prüft nicht mehr nach, sondern erledigt. Täter nutzen deshalb bewusst die Wochen nach einem bekannt gewordenen Datenleck: Sie wissen dann, bei welchem Händler Sie Kunde sind, und haben einen glaubwürdigen Vorwand gleich mitgeliefert. Je mehr Firmen Ihre Daten kennen, desto größer ist die Auswahl an Vorwänden.

Der Profi-Check: was die Kopfzeilen einer Mail verraten

Jede Mail trägt unsichtbare Kopfzeilen (Header) mit sich, eine Art Laufzettel, auf dem jeder beteiligte Server einen Stempel hinterlässt. Darin steht auch, ob die Mail drei Echtheitsprüfungen bestanden hat. Laien müssen das nicht bei jeder Mail tun, aber bei einer Nachricht, die Sie nicht eindeutig einordnen können, liefert der Blick hinein eine harte Antwort statt eines Gefühls.

Prüfung Was sie bestätigt Was sie nicht bestätigt
SPF Der sendende Server darf für die technische Absender-Domain Mails verschicken. Dass diese Domain mit der im sichtbaren Absender übereinstimmt.
DKIM Die Mail wurde von einer bestimmten Domain digital signiert und unterwegs nicht verändert. Dass die signierende Domain dem Unternehmen gehört, das in der Mail genannt wird.
DMARC Die Domain im sichtbaren Absender hat SPF oder DKIM bestanden. Ein Fälschen genau dieser Adresse ist damit ausgeschlossen. Dass die Domain seriös ist. Eine Betrugsdomain mit sauber eingerichtetem DMARC besteht ebenfalls.

Die Lesart ist deshalb zweistufig. Steht bei DMARC ein FAIL und gibt sich die Mail als großes Unternehmen aus, ist sie mit hoher Wahrscheinlichkeit gefälscht. Steht dort PASS, wissen Sie nur, dass die Domain im Absender stimmt. Jetzt kommt es auf Schritt 2 an: Ist paypal.de der Absender, ist die Mail echt. Ist es paypal-sicherheit.de, hat der Betrüger seine eigene Domain lediglich ordentlich eingerichtet.

Der Alias-Trick: Phishing am Empfänger erkennen

Alle bisherigen Schritte prüfen den Absender. Es gibt eine zweite, deutlich einfachere Seite: den Empfänger. Wer für jeden Shop, jedes Kundenkonto und jeden Newsletter eine eigene Adresse verwendet, bekommt ein eingebautes Frühwarnsystem. Jede Adresse kennt genau ein Unternehmen. Kommt eine angebliche Nachricht Ihrer Bank an die Adresse, die Sie nur beim Möbelhändler hinterlegt haben, ist die Lage ohne jede technische Prüfung klar: Entweder ist die Mail gefälscht, oder der Möbelhändler hat Ihre Daten verloren. Meist beides.

Der verbreitete Plus-Trick (name+shop@anbieter.de) hilft dabei nur begrenzt, weil viele Formulare das Pluszeichen ablehnen und Täter den Zusatz einfach abschneiden, um an die Hauptadresse zu kommen. Wirksamer sind eigenständige Alias-Adressen, die in ein eigenes Postfach laufen. Eigene Alias-Adressen für Shops und Kundenkonten anlegenEigenwerbung. Ein Hinweis zur Technik: Mit den Alias-Adressen von Datenputzer empfangen Sie Mails im eigenen Postfach oder per Weiterleitung, das Versenden von einem Alias aus ist derzeit noch nicht möglich. Für die Phishing-Erkennung genügt der Empfang.

Woher Betrüger Ihren Namen und Ihre Anschrift kennen

Die meisten Spear-Phishing-Mails speisen sich aus zwei Quellen. Die erste sind Datenlecks: Kundendatenbanken von Shops, Lieferdiensten oder Plattformen, die nach einem Angriff in Foren gehandelt werden. Dagegen hilft nach dem Vorfall nur noch Wachsamkeit und ein neues Passwort.

Die zweite Quelle ist unspektakulärer und deshalb weniger bekannt: der legale Adresshandel. Werbe- und Adressbroker wie Deutsche Post Direkt, AZ Direct oder Acxiom führen Name, Anschrift, Haushaltsmerkmale und Kaufneigungen von Millionen Menschen, um sie an Werbetreibende zu vermieten. Das geschieht zu Werbezwecken, nicht für Betrug. Jede Firma, die solche Profile vorhält, ist aber ein weiterer Ort, an dem Ihre Daten liegen, und damit eine weitere mögliche Quelle, falls dort einmal ein Leck entsteht oder ein schwarzes Schaf in der Kette Daten ohne ausreichende Prüfung weitergibt. Jede Firma, die nichts über Sie speichert, kann auch nichts verlieren.

Gegen diese zweite Quelle können Sie vorbeugend etwas tun. Nach Art. 17 DSGVO können Sie verlangen, dass Daten gelöscht werden, für deren Verarbeitung keine Rechtsgrundlage mehr besteht, was bei reinem Werbeprofiling ohne Ihre Einwilligung häufig der Fall ist. Wie das rechtlich funktioniert, erklärt unser Ratgeber zu Löschung und Werbewiderspruch nach Art. 17 und 21 DSGVO. Einzeln bei jedem Broker ist das mühsam. Löschschutz einrichten und die Anträge an die Broker gebündelt verschicken lassenEigenwerbung. Ob und wann ein Broker löscht, entscheidet er selbst. Weniger gespeicherte Profile bedeuten aber weniger Stoff für glaubwürdige Vorwände.

Schon geklickt? Was jetzt zu tun ist

Ein Klick allein ist selten der Schaden. Entscheidend ist, was danach passiert ist. Ordnen Sie sich ehrlich in eine der Zeilen ein und handeln Sie entsprechend, je früher, desto besser:

Was passiert ist Risiko Was Sie tun
Mail nur geöffnet gering Mail melden und löschen. Externe Bilder abschalten, damit Zählpixel nicht verraten, dass Ihre Adresse aktiv ist.
Link geklickt, nichts eingegeben gering bis mittel Seite schließen. Betriebssystem und Browser aktuell halten, Downloads der letzten Minuten löschen. Ihre Adresse gilt nun als „bestätigt“, rechnen Sie mit mehr solcher Mails.
Passwort eingegeben hoch Passwort über den echten Dienst ändern, alle Sitzungen beenden, zweiten Faktor einschalten, und jedes andere Konto mit demselben Passwort ebenfalls umstellen.
Bankdaten, Karte oder TAN eingegeben sehr hoch Bank über die Nummer auf der Karte anrufen oder den Sperr-Notruf 116 116 nutzen, Zugang und Karte sperren lassen. Umsätze prüfen, Anzeige bei der Polizei erstatten.
Anhang geöffnet oder App installiert sehr hoch Gerät vom Netz nehmen, Virenscan, unbekannte Apps entfernen. Passwörter erst von einem anderen, sauberen Gerät aus ändern.

Haben Sie ein Passwort preisgegeben, lohnt sich ein Blick auf die richtige Reihenfolge, denn das E-Mail-Postfach gehört vor allen anderen Konten abgesichert. Die Schritte im Detail beschreibt unser Ratgeber was zu tun ist, wenn ein Passwort offengelegt wurde. Ein Zusatztipp für die Zukunft: Ein Passwortmanager trägt Zugangsdaten nur auf der Domain ein, für die er sie gespeichert hat. Bietet er auf einer Anmeldeseite plötzlich nichts an, ist das ein verlässlicher Hinweis auf eine gefälschte Seite, und kein Anlass, das Passwort von Hand einzutippen.

Phishing melden: wohin mit der verdächtigen Mail?

Melden kostet zwei Minuten und hilft anderen. Die Verbraucherzentrale betreibt ein Phishing-Radar, für das Sie verdächtige Mails an phishing@verbraucherzentrale.nrw weiterleiten können. Klappt das Weiterleiten nicht, speichern Sie die Mail als .eml-Datei und laden sie auf der Seite hoch (bis 2 MB). Die Einsendungen fließen anonymisiert in öffentliche Warnungen ein, eine persönliche Antwort gibt es wegen der Menge nicht.

Prüfliste: das Postfach einmal phishingfest einstellen

Die sieben Schritte helfen im Moment der Entscheidung. Die folgenden Einstellungen sorgen dafür, dass dieser Moment seltener kommt und weniger gefährlich ist. Sie nehmen sich dafür einmal eine halbe Stunde:

Häufige Fragen zum Erkennen von Phishing-Mails

Ist eine Mail echt, wenn sie meinen vollen Namen und meine Adresse enthält?
Nein. Name, Anschrift und sogar frühere Bestellungen können aus Datenlecks oder aus dem Adresshandel stammen. Eine persönliche Anrede beweist nur, dass der Absender Daten über Sie hat, nicht, dass er das Unternehmen ist, für das er sich ausgibt. Entscheidend sind die echte Absender-Domain und das tatsächliche Linkziel.
Reicht es, eine Phishing-Mail nur zu öffnen, um sich zu infizieren?
Bei aktuellen Mailprogrammen und Apps in aller Regel nicht. Gefährlich wird es, wenn Sie auf einen Link klicken und dort Daten eingeben, einen Anhang öffnen oder eine App beziehungsweise Datei installieren. Beim Öffnen kann aber ein Zählpixel dem Absender verraten, dass Ihre Adresse aktiv ist. Schalten Sie deshalb das automatische Nachladen externer Bilder ab.
Was bedeutet SPF, DKIM und DMARC PASS in den Kopfzeilen?
Es bedeutet, dass die Mail tatsächlich von der Domain stammt, die im Absender steht. Es bedeutet nicht, dass diese Domain dem Unternehmen gehört, das in der Mail genannt wird. Betrüger registrieren eigene Domains und richten dort SPF und DKIM korrekt ein. Ein PASS zählt also nur zusammen mit der Prüfung, ob die Domain die offizielle des Unternehmens ist.
Wohin kann ich Phishing-Mails melden?
Die Verbraucherzentrale NRW sammelt verdächtige Mails für ihr Phishing-Radar unter phishing@verbraucherzentrale.nrw. Klappt das Weiterleiten nicht, lässt sich die Mail als .eml-Datei speichern und auf der Seite des Phishing-Radars hochladen. Zusätzlich können Sie das nachgeahmte Unternehmen über dessen offizielle Meldeadresse informieren. Ist bereits ein Schaden entstanden, erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.
Wie hilft eine eigene Adresse pro Dienst gegen Phishing?
Wenn jeder Shop und jeder Dienst eine eigene Alias-Adresse kennt, verrät die Empfängeradresse, ob eine Mail plausibel ist. Kommt eine angebliche PayPal-Nachricht an die Adresse, die nur Ihr Möbelhändler kennt, ist sie gefälscht oder der Möbelhändler hat ein Datenleck. Solche Adressen legen Sie zum Beispiel im Wegwerf-E-Mail-Postfach von DatenputzerEigenwerbung an.

Machen Sie es Datenhändlern schwerer.

Ein Betrüger kann nur mit dem Wissen arbeiten, das irgendwo über Sie gespeichert ist. Datenputzer verschickt in Ihrem Namen Löschanträge an über 100 Werbe- und Adressbroker und gibt Ihnen Alias-Postfächer, damit jeder Dienst nur eine eigene Adresse von Ihnen kennt. Das schmälert den Vorrat, aus dem persönliche Köder gebaut werden.

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