Sprachassistenten: Aufnahmen löschen und Mithören abschalten
Ein Gerät, das auf ein einziges Wort wartet, muss dafür jedes Wort prüfen. Werbeprofil aus Ihren Daten auflösen lassen
Alexa, Google Assistant und Siri schneiden jede erkannte Aktivierung mit und verarbeiten sie beim Anbieter. Sie können den gespeicherten Verlauf löschen, die künftige Speicherung abschalten und die menschliche Auswertung widerrufen. Was dabei nicht verschwindet, ist das Werbeprofil, das aus Ihren Anfragen entstanden ist. Dieses müssen Sie getrennt angehen.
Auf einen Blick: Sprachassistenten und Ihre Daten
- Bochumer Forscher fanden über 1.000 Wortfolgen, die Sprachassistenten versehentlich starten.
- Alexa-Interaktionsdaten werden laut Forschung mit bis zu 41 Werbepartnern geteilt.
- Bei Google ist die Audiospeicherung ab Werk aus, bei Alexa ist sie ab Werk an.
- Auch ohne Aufnahme bleiben Textabschriften bei Amazon noch bis zu 30 Tage liegen.
- Das Stimmprofil und die Werbepräferenzen löschen Sie an zwei anderen Stellen.
- Abgeleitete Interessen wandern in Werbedatenbanken und überleben jede Verlaufslöschung.
Was ein Sprachassistent tatsächlich aufzeichnet
Die verbreitete Vorstellung, ein Smart Speaker streame den ganzen Tag den Wohnzimmerton in ein Rechenzentrum, ist technisch falsch, und sie führt in die Irre. Was tatsächlich passiert, ist unspektakulärer und in der Praxis heikler. Das Mikrofon läuft dauerhaft und schreibt fortlaufend in einen sehr kurzen Zwischenspeicher, der sich permanent selbst überschreibt. Ein kleines Erkennungsmodul auf dem Gerät prüft diesen Strom ausschließlich auf ein Muster: das Aktivierungswort. Solange es nicht anschlägt, verlässt kein Ton das Gerät.
Schlägt es an, kippt die Situation. Dann wird nicht erst ab diesem Moment übertragen, sondern inklusive der Sekundenbruchteile davor, damit der Beginn Ihres Satzes nicht abgeschnitten wird. Ab dort läuft die Verarbeitung beim Anbieter: Der Ton wird in Text umgewandelt, der Text wird interpretiert, die Antwort wird zurückgeschickt. Anfrage, Zeitpunkt, Gerät und Konto sind damit verknüpft. Bei Alexa liegt der komplette Vorgang seit jeher in der Cloud, in Deutschland gab es nie eine Alternative dazu.
Der zweite Aufzeichnungsweg wird fast immer übersehen, weil er nicht nach Sprachassistent aussieht: die Diktierfunktion. Jedes Mikrofon-Symbol in einer Tastatur, jede Sprachnachricht, jede Suche per Stimme läuft über denselben Apparat. Wer den Smart Speaker aus dem Wohnzimmer verbannt, aber täglich diktiert, hat die Datenmenge verlagert, nicht reduziert.
Fehlaktivierungen: warum bereits "Am Sonntag" genügt
Die entscheidende Schwachstelle ist die Erkennung selbst. Ein Team der Ruhr-Universität Bochum und des Max-Planck-Instituts für Cybersicherheit und Schutz der Privatsphäre hat elf Sprachassistenten von acht Herstellern systematisch beschallt, unter anderem mit Nachrichtensendungen, Tatort-Folgen und kompletten Serienstaffeln. Das Ergebnis ist eine erste Liste von über 1.000 Wortfolgen, die Sprachassistenten fälschlich aufwecken. Im Deutschen reicht bei Alexa je nach Betonung ein beiläufiges "Am Sonntag", bei Siri genügt "Daiquiri". Im Englischen springt Alexa auf "unacceptable" und "election" an, Google auf "OK, cool".
Übersetzt in den Alltag heißt das: Jede dieser Fehlzündungen erzeugt einen Mitschnitt eines Gesprächs, das nie an ein Gerät gerichtet war, und schickt ihn an den Anbieter. Genau diese Aufnahmen sind die brisantesten im gesamten Verlauf, weil sie Gesprächsfetzen enthalten, die niemand für einen Sprachbefehl gehalten hätte: Krankheiten, Geldsorgen, Streit, Kinder, Beruf. Wer sich das nur ausmalt, unterschätzt es meist. Deshalb steht in der Anleitung weiter unten ein Punkt, den kaum eine Checkliste enthält: Gehen Sie Ihren eigenen Verlauf einmal gezielt nach Einträgen durch, bei denen niemand mit dem Gerät gesprochen hat. Das ist die einzige belastbare Messung Ihrer persönlichen Fehlerquote.
Security Alert / Real Talk
Stellen Sie sich vor Ihrem nächsten Griff zum Verlauf eine einzige Frage: Was wurde in den vergangenen zwölf Monaten in diesem Raum besprochen, das Sie einem fremden Unternehmen nicht schriftlich geben würden? Ein Befund über eine Diagnose, eine Kündigung, eine Trennung, eine Bewerbung. Jede Fehlaktivierung entscheidet zufällig darüber, welcher dieser Sätze zu einer Datei mit Zeitstempel geworden ist. Der Verlauf zeigt Ihnen diese Dateien, und er zeigt sie nur Ihnen, solange Sie ihn ansehen, bevor jemand anderes es tut.
Vom Sprachbefehl zum Werbeprofil
Für die Werbeindustrie ist nicht der Klang Ihrer Stimme interessant, sondern das Interesse dahinter. Wer nach einem Kinderwagen fragt, nach Zugverbindungen in eine bestimmte Stadt oder nach der Dosierung eines Medikaments, liefert ein Signal, das sich in ein Merkmal übersetzen lässt. Genau dieser Weg ist für das Alexa-Ökosystem wissenschaftlich untersucht. Ein Forschungsteam um Umar Iqbal zeigte in der auf der ACM Internet Measurement Conference 2023 veröffentlichten Arbeit "Tracking, Profiling, and Ad Targeting in the Alexa Echo Smart Speaker Ecosystem", dass Interaktionsdaten mit bis zu 41 Werbepartnern geteilt werden und dass die Nutzung eines Smart Speakers in Werbeauktionen bis zu 30-fach höhere Gebote auslösen kann. Nach Veröffentlichung des Vorabdrucks ergänzte Amazon seinen Alexa Privacy Hub um den Hinweis, dass Interaktionsdaten für Werbeausspielung genutzt werden.
Der Faktor 30 ist die eigentliche Nachricht. Er beziffert, wie viel wertvoller ein Mensch für die Werbebranche wird, sobald sie ihn über einen Sprachassistenten einordnen kann. Es ist derselbe Mechanismus, den Sie vom Smartphone kennen, nur mit einer zusätzlichen Signalquelle: Aus Verhalten wird ein Merkmal, aus dem Merkmal ein Segment, und das Segment wird gehandelt. Wie Sie die verwandte Kennung auf dem Telefon zurücksetzen, beschreibt unsere Anleitung zum Löschen der Werbe-ID und zum Stoppen des App-Trackings.
Wichtig für die spätere Bewertung: Diese abgeleiteten Merkmale sind keine Sprachaufnahmen. Sie stehen in einer anderen Tabelle, oft bei anderen Unternehmen, und sie bleiben unberührt, wenn Sie Ihren Sprachverlauf leeren. Diesen Teil Ihres Profils lassen Sie bei über 100 Werbe- und Adressdatenbanken zur Löschung anfordern.
Was sich 2025 und 2026 geändert hat
Zwei Entwicklungen werden in der deutschsprachigen Berichterstattung regelmäßig durcheinandergebracht, deshalb hier die saubere Einordnung. Erstens hat Amazon zum 28. März 2025 die Option "Do Not Send Voice Recordings" gestrichen, mit der bestimmte Echo-Geräte Sprachbefehle lokal verarbeiten konnten. Diese Funktion war allerdings ausschließlich in den USA verfügbar, nur auf englischsprachig eingestellten Geräten und nur auf wenigen Modellen, namentlich Echo Dot der vierten Generation sowie Echo Show 10 und 15. Für Haushalte in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat sich dadurch technisch nichts verschlechtert, weil es die lokale Verarbeitung hier nie gab. Wer die Schlagzeile gelesen und daraufhin nach der verschwundenen Einstellung gesucht hat, hat sie deshalb nicht gefunden.
Zweitens ist die generative Ausbaustufe Alexa+ seit dem 7. Mai 2026 in Deutschland und Österreich verfügbar, zunächst als schrittweise per Einladung freigeschalteter Early Access. Das ist der Punkt, der tatsächlich zählt: Ein Assistent, der sich an frühere Gespräche erinnern und Zusammenhänge über Tage hinweg herstellen soll, braucht dafür mehr Kontext, nicht weniger. Die Datenmenge pro Haushalt wächst also, während die Steuerungsmöglichkeiten dieselben bleiben. Genau deshalb lohnt es sich, die vorhandenen Schalter jetzt einmal sauber zu setzen, statt es weiter aufzuschieben.
Anleitung: Alexa-Aufnahmen löschen und Speicherung abschalten
Alexa ist der Assistent mit der weitreichendsten Voreinstellung: Aufnahmen werden gespeichert, bis Sie es ändern. Arbeiten Sie die folgenden Schritte in der Alexa-App der Reihe nach ab.
- Schritt 1, den Verlauf öffnen: Tippen Sie auf "Mehr", dann "Einstellungen", dann "Alexa-Datenschutz" und dort auf "Ihre Alexa-Daten verwalten". Hier liegt alles, was das Gerät je verstanden hat, nach Datum und Gerät sortiert.
- Schritt 2, die Fehlerquote messen: Bevor Sie löschen, filtern Sie den Verlauf einmal auf einen ruhigen Zeitraum, etwa einen Werktagvormittag ohne Anwesende. Jeder Eintrag dort ist eine Fehlaktivierung. Steht das Gerät in einem Raum, in dem viel gesprochen wird, sehen Sie das hier sofort.
- Schritt 3, den Bestand leeren: Löschen Sie den kompletten Verlauf über die Sammelfunktion. Per Sprache geht es ebenfalls, mit "Alexa, lösche, was ich gerade gesagt habe" und "Alexa, lösche alles, was ich heute gesagt habe".
- Schritt 4, die Zukunft regeln: Stellen Sie die Speicherdauer auf "Aufnahmen nicht speichern". Zur Wahl stehen sonst drei Monate und 18 Monate. Ohne diesen Schritt füllt sich der eben geleerte Verlauf ab morgen wieder.
- Schritt 5, das Stimmprofil entfernen: Die Stimmerkennung ist ein eigener Datensatz und verschwindet nicht mit den Aufnahmen. Löschen Sie sie in den Alexa-Einstellungen für jedes eingerichtete Haushaltsmitglied einzeln, sofern Sie die personalisierten Antworten nicht brauchen.
- Schritt 6, die Werbepräferenzen zurücksetzen: Der letzte Schalter liegt nicht in der Alexa-App, sondern im Amazon-Konto unter den Werbepräferenzen. Dort widersprechen Sie der interessenbezogenen Werbung. Erst damit greifen Sie die Merkmale an, nicht nur die Tonspur.
Ein Detail, das Amazon korrekt dokumentiert und das trotzdem fast nie zitiert wird: Selbst bei "Aufnahmen nicht speichern" bleiben die Textabschriften Ihrer Anfragen noch bis zu 30 Tage verfügbar. Gelöscht wird der Ton, nicht sofort die Mitschrift. Für die Praxis heißt das, dass ein einmaliges Aufräumen keine sofortige Nulllinie erzeugt.
Anleitung: Google Assistant und Gemini
Bei Google ist die Ausgangslage günstiger, denn die Audiospeicherung ist nach Angaben des Anbieters ab Werk deaktiviert. Verlassen sollten Sie sich darauf trotzdem nicht, weil die Aktivierung bei jeder Geräteeinrichtung und bei jedem neuen Konto angeboten wird und schnell mitgenommen ist.
- Den Schalter prüfen: Öffnen Sie myaccount.google.com, dann "Daten und Datenschutz", unter "Einstellungen für den Verlauf" auf "Web- und App-Aktivitäten". Dort entfernen Sie das Häkchen bei "Sprach- und Audioaktivitäten einschließen". Google beschreibt den Weg in seiner offiziellen Hilfe zu Audioaufnahmen in den Web- und App-Aktivitäten.
- Altbestand aufräumen: Über "Aktivitäten verwalten" sehen Sie den Verlauf. Einträge mit Mikrofon-Symbol enthalten Audio und lassen sich über das Drei-Punkte-Menü einzeln löschen. Per Sprache funktioniert auch "Hey Google, lösche, was ich heute gesagt habe".
- Automatik einstellen: Setzen Sie im selben Menü unter "Aktivitäten speichern für" die automatische Löschung auf die kürzeste angebotene Frist. Das ist die einzige Einstellung, die auch dann wirkt, wenn Sie das Thema danach ein Jahr lang vergessen.
- Gemini getrennt behandeln: Die Aktivitäten der Gemini-Apps sind ein eigener Bereich mit eigener Einstellung. Bei Live-Unterhaltungen landen dort neben Transkripten auch Audioaufnahmen und hochgeladene Dateien. Wer Assistant abgeräumt hat, muss diesen Speicher separat prüfen.
Anleitung: Siri und die Diktierfunktion
Apple fährt hier das restriktivste Modell, was allerdings nicht bedeutet, dass nichts zu tun wäre. Die menschliche Auswertung von Siri-Aufnahmen ist seit Ende 2019 eine Opt-in-Entscheidung, die bei der Geräteeinrichtung abgefragt wird. Nach Apples eigener Datenschutzerklärung zu "Siri und Diktierfunktion verbessern" werden die Daten bis zu zwei Jahre gespeichert und mit einer auf dem Gerät erzeugten Zufalls-ID verknüpft, die mehrmals pro Stunde wechselt und weder mit dem Apple Account noch mit der E-Mail-Adresse verbunden ist.
Zwei Handgriffe genügen. Erstens: "Einstellungen", dann "Datenschutz und Sicherheit", dann "Analyse und Verbesserungen", und dort das Programm "Siri und Diktierfunktion verbessern" deaktivieren. Zweitens: "Einstellungen", dann "Siri", dann "Siri- und Diktierverlauf" und die Schaltfläche "Siri- und Diktierverlauf löschen" betätigen. Der Vorgang wird gesondert bestätigt und wirkt für das jeweilige Gerät. Bei mehreren Apple-Geräten im Haushalt wiederholen Sie ihn dort.
Der Auslieferungszustand im Vergleich
Die folgende Übersicht zeigt, was ohne Ihr Zutun passiert. Sie ist der schnellste Weg, um zu entscheiden, welches Gerät in Ihrem Haushalt Priorität hat.
| Merkmal | Amazon Alexa | Google Assistant | Apple Siri |
|---|---|---|---|
| Audio ab Werk gespeichert | Ja, bis Sie es ändern | Nein, Opt-in | Nein, Opt-in |
| Menschliche Auswertung | Stichproben, in den Einstellungen abwählbar | Nur bei aktivierter Audioaktivität | Nur nach Zustimmung zum Verbesserungsprogramm |
| Verknüpfung | Amazon-Konto | Google-Konto | Zufalls-ID, wechselt mehrmals pro Stunde |
| Löschen per Sprachbefehl | Ja | Ja | Nein, nur über die Einstellungen |
| Speicherdauer wählbar | Nicht speichern, 3 oder 18 Monate | Automatische Löschfrist einstellbar | Bis zu zwei Jahre im Verbesserungsprogramm |
| Wichtigster erster Schritt | Speicherdauer umstellen | Häkchen kontrollieren | Verlauf löschen |
Die Haushalts-Checkliste: sieben Punkte, an die kaum jemand denkt
Die Menüwege oben decken den Anbieter ab. Der Haushalt ist damit noch nicht sortiert. Die folgenden Punkte stammen aus der Praxis und stehen in dieser Zusammenstellung in keiner Bedienungsanleitung, weil sie den Funktionsumfang absichtlich beschneiden.
- Standortfrage vor Einstellungsfrage: Kein Gerät ins Schlafzimmer, kein Gerät ins Kinderzimmer und keines in ein Arbeitszimmer, in dem berufliche Verschwiegenheit gilt. Wer als Ärztin, Anwalt, Therapeutin, Steuerberater oder Betriebsrat zu Hause telefoniert, verhandelt damit fremde Geheimnisse in Hörweite eines Mikrofons.
- Die Taste schlägt die Software: Die physische Mikrofontaste am Gerät ist nach Herstellerangaben hardwareseitig verdrahtet und damit die einzige Maßnahme, die nicht von einem Firmware-Stand abhängt. Nutzen Sie sie routinemäßig für Besuche, Elterngespräche und Telefonate mit Behörden.
- Gäste gehören informiert: Die Haushaltsausnahme nach Art. 2 Abs. 2 lit. c DSGVO deckt rein persönliche und familiäre Tätigkeiten ab. Ein Hinweis an Besuch, dass ein Assistent im Raum steht, kostet einen Satz und beugt genau der Situation vor, in der eine fremde Äußerung in Ihrem Konto landet.
- Gegensprechfunktionen abschalten: Funktionen, mit denen sich Geräte gegenseitig ohne Annahme aktivieren lassen, sind praktisch für Familien und ein offenes Mikrofon für alle anderen. Prüfen Sie, wer freigeschaltet ist, und reduzieren Sie den Kreis auf den eigenen Haushalt.
- Zusatzfunktionen ausmisten: Skills und Actions von Drittanbietern haben eigene Datenschutzerklärungen und eigene Speicher. Deaktivieren Sie alles, was Sie im letzten halben Jahr nicht genutzt haben. Jede aktive Erweiterung ist ein weiterer Empfänger Ihrer Anfragen.
- Das zweite Mikrofon im Raum: Fernbedienung und Fernseher hören ebenfalls zu, und moderne Geräte analysieren zusätzlich das Bild. Wie Sie diese Auswertung abstellen, zeigt unser Ratgeber zum Deaktivieren des Smart-TV-Trackings per ACR.
- Abgabe heißt abmelden: Vor Verkauf, Weitergabe oder Entsorgung muss das Gerät aus dem Konto entfernt werden, nicht nur zurückgesetzt. Ein Werksreset allein löst die Kontoverknüpfung bei manchen Modellen nicht auf. Der neue Besitzer erbt sonst den Bezug zu Ihrem Konto.
Für die technische Absicherung des Geräts selbst, also Netzwerk, Konto und Firmware, hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik eine kompakte Verbraucherhandreichung veröffentlicht. In seinen Hinweisen zum sicheren Umgang mit Smart Speakern rät das BSI unter anderem dazu, den Assistenten bei längerer Abwesenheit zu deaktivieren und den Kontozugang mit einem zweiten Faktor abzusichern. Beides kostet nichts und schließt den Weg, über den ein fremder Kontozugriff sonst direkt in Ihren Sprachverlauf führt.
Wo das Löschen aufhört zu wirken
Damit Sie realistisch planen: Ein geleerter Sprachverlauf ist ein sauberer Schnitt beim Anbieter, aber er ist kein Reset Ihrer Datenlage. Drei Bestände überleben ihn regelmäßig.
Erstens die Textabschriften. Sie folgen eigenen Fristen, bei Amazon bis zu 30 Tage nach der Anfrage, auch wenn der Ton längst weg ist. Zweitens das Stimmprofil. Es ist ein eigenständiger Datensatz und wird beim Löschen der Aufnahmen nicht angerührt, weshalb es der eigene Punkt in der Anleitung oben ist. Drittens, und praktisch am folgenreichsten, die abgeleiteten Merkmale. Aus "Wo gibt es Kinderwagen in meiner Nähe" wird kein Tondokument, sondern ein Segment: Haushalt mit Kleinkind, kaufbereit, Region. Dieses Segment ist bereits in Umlauf, bevor Sie das erste Menü öffnen.
Diese dritte Kategorie ist der Grund, warum Datenschutz bei Sprachassistenten nicht in den Geräteeinstellungen endet. Merkmale werden weitergereicht, angereichert und mit Adressdaten verknüpft. Am Ende der Kette stehen Werbe-, Adress- und Adtech-Datenbanken, die nie mit Ihnen gesprochen haben und trotzdem einen Datensatz über Sie führen. Wie das Recht auf Löschung dort ansetzt, erklärt unsere Übersicht zu Art. 17 und Art. 21 DSGVO.
Klarstellung
Werbe- und Trackingdaten sind etwas anderes als Bonitätsdaten. Einträge bei Auskunfteien wie SCHUFA, CRIF oder Creditreform beruhen auf einer eigenen Rechtsgrundlage und lassen sich nicht per Löschantrag entfernen. Unsere Löschanfragen nach Art. 17 DSGVO richten sich an Werbe-, Adress- und Adtech-Broker, also an Datenbestände ohne fortbestehende Verarbeitungsgrundlage, nicht an Auskunfteien.
Schutz vor Sprachprofilen: welchen Vorteil bietet Datenputzer
Die Einstellungen in der Alexa-App, im Google-Konto und auf dem iPhone erledigen Sie in etwa einer halben Stunde, und danach steht die Tür für die Zukunft deutlich weiter zu. Was die Einstellungen nicht erreichen, ist alles, was in den Jahren davor aus Ihren Anfragen abgeleitet und weitergegeben wurde. Diese Datensätze liegen bei Unternehmen, mit denen Sie nie einen Vertrag geschlossen haben: bei Adress- und Werbedatenbanken wie Acxiom, AZ Direct, Deutsche Post Direkt oder Schober und bei Adtech-Anbietern wie Criteo, The Trade Desk oder LiveRamp.
Genau dort setzt unsere Arbeit an. Datenputzer versendet juristisch fundierte Löschanfragen nach Art. 17 DSGVO an über 100 Werbe-, Adress- und Adtech-Broker, verfolgt die Antworten nach und dokumentiert den Vorgang für Sie. Sie füllen ein Formular aus, den Rest übernehmen wir. Den Löschschutz richten Sie in wenigen Minuten ein. Was ein solcher Sammelvorgang im Detail auslöst und welche Fristen dabei gelten, beschreibt die Übersicht zur Datenbroker-Löschung.
Der zweite sinnvolle Baustein ist der Tiefenscan. Rund um Smart-Home-Geräte sammeln sich über die Jahre Konten an, die niemand mehr öffnet: das Konto beim Hersteller der ersten Funksteckdose, die App der alten Überwachungskamera, das Portal des Lampenherstellers, das Nutzerkonto einer längst deaktivierten Zusatzfunktion. Jedes davon hält Ihre E-Mail-Adresse und oft Ihre Anschrift vor, und niemand bemerkt, wenn eines davon gehackt wird. Der Tiefenscan macht diese Inventur sichtbar und zeigt, wo Ihr Name noch hinterlegt ist.
Häufige Fragen zu Sprachassistenten und Datenschutz
Hört Alexa immer mit?
Wie lösche ich meine Alexa-Sprachaufnahmen?
Speichert Google meine Sprachaufnahmen standardmäßig?
Werden Siri-Aufnahmen von Menschen abgehört?
Werden meine Sprachbefehle für Werbung ausgewertet?
Reicht es, den Sprachverlauf zu löschen?
Machen Sie sich unsichtbar.
Den Sprachverlauf leeren Sie selbst in einer halben Stunde. Die Merkmale, die daraus längst in Werbedatenbanken gewandert sind, nicht. Wir fordern deren Löschung bei über 100 Brokern an und decken dabei die alten Konten auf, die noch auf Ihren Namen laufen.
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