Ricardo-Datenleck: Daten von 890.000 Nutzerkonten offengelegt

Von Kevin Pabst •
IT-Security Expert
Ricardo Datenleck 2026: Versandkartons vor brauner Wand als Sinnbild für Käufer und Verkäufer auf einem Online-Marktplatz
Bildquelle: Unsplash (Gemeinfrei)

Wer Ihre Handynummer, Ihre Adresse und Ihren Marktplatz kennt, braucht Ihre E-Mail nicht mehr. Adresse und Rufnummer bei Datenbrokern löschen lassen

Die schnelle Antwort: Der Schweizer Online-Marktplatz Ricardo hat am 9. Oktober 2026 einen Cybervorfall gemeldet. Unbefugte konnten Namen, Postadressen und Telefonnummern von rund 890.000 Nutzerkonten einsehen, bei Geschäftskunden auch den Firmennamen. E-Mail-Adressen und Passwörter seien nicht betroffen. Betroffene werden direkt informiert und müssen vor allem mit Betrug per SMS, WhatsApp und Telefon rechnen.

Der Vorfall in vier Zahlen

  • 890.000 Nutzerkonten sind nach Angaben der Betreiberin SMG betroffen
  • 3 Datenarten offengelegt: Name, Postadresse, Telefonnummer
  • 0 Passwörter und E-Mail-Adressen sind laut Ricardo betroffen
  • 2 Tage lagen zwischen Entdeckung und öffentlicher Meldung

Der Vorfall im Zeitverlauf

  1. 7. Oktober Verdächtige Aktivitäten auf den Servern Ricardo startet technische Maßnahmen zur Absicherung.
  2. bis 9. Oktober Lücke geschlossen, Umfang ermittelt Die Untersuchung ergibt rund 890.000 betroffene Konten.
  3. 9. Oktober SMG informiert Öffentlichkeit und EDÖB Strafanzeige und Meldung an das Bundesamt für Cybersicherheit angekündigt.
  4. Jetzt Fake-Käufer und Fake-Support abwehren Kontakt nur über die Plattform, keine Links aus SMS oder WhatsApp.

Was bei Ricardo passiert ist

Am Mittwoch, dem 7. Oktober 2026, bemerkte Ricardo verdächtige Aktivitäten auf seinen Servern. Zwei Tage später, am 9. Oktober, machte die Betreiberin Swiss Marketplace Group (SMG) den Vorfall öffentlich: Über eine Sicherheitslücke hätten Unbefugte auf persönliche Daten zugreifen können, die mit Bestellungen auf der Plattform verknüpft sind. Betroffen seien rund 890.000 Nutzerkonten. Nach einem Bericht von inside-it.ch handelt es sich um Namen, Postadressen und Telefonnummern, bei Geschäftskunden zusätzlich um Firmennamen. E-Mail-Adressen und Passwörter seien nach Angaben des Unternehmens nicht betroffen.

SMG erklärt, die Lücke sei inzwischen vollständig geschlossen. Ricardo hat den Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) informiert, kündigt eine Strafanzeige an und will den Fall dem Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) melden. Wer hinter dem Zugriff steckt und ob die Daten bereits missbraucht werden, ist offen. Eine Sprecherin von SMG betonte gegenüber der Nachrichtenagentur AWP, die Daten seien zu keinem Zeitpunkt frei zugänglich gewesen. Lösegeldforderungen sind bislang nicht bekannt geworden.

Zur Einordnung der Größenordnung: Ricardo ist einer der meistgenutzten Online-Marktplätze der Schweiz. Ende 2022 meldete das Unternehmen rund 4,75 Millionen Mitglieder, davon gut 1,5 Millionen aktive. Gemessen daran ist ein spürbarer Teil der Nutzerschaft betroffen. Wichtig für die Einordnung: Die Zahl stammt vom Unternehmen selbst und ist damit offiziell bestätigt, nicht bloß die Behauptung eines Akteurs aus einem Hackerforum.

Security Alert / Real Talk

"Keine Passwörter, keine E-Mail-Adressen" klingt nach Entwarnung. Für Betrüger auf Kleinanzeigen-Plattformen ist es das Gegenteil: Ihr Werkzeug ist nicht das Postfach, sondern das Handy. Eine Liste mit Name, Wohnort und Mobilnummer von Menschen, die nachweislich auf Ricardo kaufen und verkaufen, ist genau die Zielgruppenliste, die für WhatsApp-Maschen mit falschen Käufern bisher mühsam zusammengesucht werden musste.

Bin ich betroffen? Die Prüfung in vier Fragen

Ricardo informiert nach eigenen Angaben die Betroffenen direkt über den Vorfall, mögliche Folgen und empfohlene Vorsichtsmaßnahmen. Genau diese Benachrichtigung ist aber auch eine Vorlage für Fälschungen. Die folgenden Fragen helfen Ihnen, Ihre Lage einzuordnen, ohne auf einen Link klicken zu müssen.

Bin ich betroffen? In vier Fragen

1
Haben Sie ein Ricardo-Konto und dort schon einmal etwas gekauft oder verkauft, auch wenn das Jahre her ist?
Ja: Die offengelegten Daten hängen an Bestellungen. Behandeln Sie sich als möglicherweise betroffen, weiter zu Frage 2. Nein, nie ein Konto: Von diesem Vorfall sind Sie nicht betroffen.
2
Haben Sie eine Nachricht "von Ricardo" zum Datenleck erhalten?
Ja: Nicht auf Links darin klicken. Melden Sie sich selbst auf ricardo.ch oder in der App an und prüfen Sie dort, ob die Information auch in Ihrem Konto steht. Nein, noch nicht: Das ist keine Entwarnung, weiter zu Frage 3.
3
Haben Sie seit dem 7. Oktober eine SMS, WhatsApp-Nachricht oder einen Anruf zu einem Ricardo-Artikel, einer Zahlung oder einer Kontoprüfung bekommen?
Ja: Gehen Sie von einem Betrugsversuch aus. Nicht antworten, keine Daten eingeben, Absender blockieren. Nein: weiter zu Frage 4.
4
Haben Sie auf eine solche Nachricht bereits reagiert und Karten-, Bank- oder Anmeldedaten eingegeben?
Ja: Sofort Bank oder Kartenherausgeber anrufen und sperren lassen, Ricardo-Passwort ändern, Anzeige bei der Polizei erstatten. Nein: Arbeiten Sie die vorbeugenden Schritte unten ab.
Wer die erste Frage mit Ja beantwortet, sollte die nächsten Wochen jede Kontaktaufnahme rund um Ricardo außerhalb der Plattform als verdächtig behandeln.

Welche Daten offenliegen und welches Risiko daraus folgt

Keine der drei Datenarten erlaubt für sich genommen einen Zugriff auf Ihr Konto oder Ihr Geld. Gefährlich ist ihre Kombination mit dem Kontext: Wer in dieser Liste steht, ist nachweislich jemand, der auf Ricardo Geschäfte macht. Das ist der Rohstoff für Social Engineering, also Betrug, der nicht Technik überlistet, sondern Menschen mit einer glaubwürdigen Geschichte.

Eine Rufnummer samt Name und Anschrift ist übrigens auch der erste Baustein für SIM-Swapping, bei dem Kriminelle Ihre Nummer beim Mobilfunkanbieter auf eine fremde SIM-Karte übertragen lassen und so Ihre SMS-Codes empfangen. Warum gerade diese Datenkombination dafür reicht und wie Sie Ihren Mobilfunkvertrag in 20 Minuten dagegen härten, zeigt unsere Anleitung gegen SIM-Swapping mit Kundenkennwort und dem Umstieg weg von SMS-Codes.

Dieselben Angaben, die jetzt bei Ricardo offenlagen, führen Adress- und Werbebroker ganz legal in ihren Beständen und verkaufen sie weiter. Jede dieser Kopien ist ein weiterer Ort, an dem Betrüger Ihr Profil vervollständigen können. Löschanfragen an über 100 Broker auf den Weg bringen und Ihr Profil ausdünnen.

So sehen die Maschen aus, die jetzt drohen

Betrug auf Ricardo ist nicht neu, der Datenabfluss liefert ihm nur eine bessere Zielliste. Das Bundesamt für Cybersicherheit hat bereits im Frühjahr 2026 vor einer Masche gewarnt, die gezielt Erstinserierende trifft. Laut der vom BACS beschriebenen Vorgehensweise melden sich Betrüger als interessierte Käufer, danach folgt eine scheinbar offizielle Mail, man müsse das Konto als neuer Verkäufer verifizieren, und schließlich ein Link oder QR-Code zur angeblichen Bestätigung der Bankdaten. Manche Links führen zuerst in einen WhatsApp-Chat mit einem falschen Ricardo-Support.

Mit Namen, Wohnort und Handynummer aus dem aktuellen Vorfall lassen sich solche Kontakte künftig ohne Umweg über die Plattform anbahnen. Rechnen Sie in den kommenden Wochen vor allem mit diesen Varianten:

Was Sie jetzt konkret tun sollten

Die folgenden Schritte dauern zusammen etwa eine Viertelstunde und helfen auch dann, wenn sich später zeigt, dass Ihr Konto nicht unter den 890.000 war.

Diese Schritte schließen die Türen, die das Leck heute aufstößt. Ob die Ricardo-Daten später zusammen mit Ihrer E-Mail-Adresse aus anderen Quellen in einem Paket auftauchen, sehen Sie damit nicht. Darknet-Warnung für Ihre E-Mail-Adresse aktivieren.

Was das Schweizer Datenschutzgesetz von Ricardo verlangt

Ricardo ist ein Schweizer Anbieter. Maßgeblich ist deshalb nicht die DSGVO, sondern das revidierte Datenschutzgesetz (DSG). Nach Art. 24 DSG muss ein Unternehmen eine Verletzung der Datensicherheit "so rasch als möglich" dem EDÖB melden, wenn sie voraussichtlich zu einem hohen Risiko für die Betroffenen führt. Betroffene sind zu informieren, wenn es zu ihrem Schutz erforderlich ist. Ricardo hat beides nach eigenen Angaben angestoßen. Wie dieses Verfahren abläuft, beschreibt der Leitfaden des EDÖB zu Datensicherheitsverletzungen.

Unabhängig davon können Sie nach Art. 25 DSG bei Ricardo kostenlos Auskunft darüber verlangen, welche Daten zu Ihrer Person gespeichert sind. Ob sich aus dem Vorfall zivilrechtliche Ansprüche ergeben könnten, lässt sich erst beurteilen, wenn klar ist, welche Daten tatsächlich abgeflossen sind und ob sie missbraucht werden. Bewahren Sie die Benachrichtigung von Ricardo deshalb ebenso auf wie verdächtige Nachrichten, die Sie seither erhalten.

Häufige Fragen zum Ricardo-Datenleck

Woher weiß ich, ob mein Ricardo-Konto zu den 890.000 betroffenen gehört?
Ricardo informiert betroffene Nutzer nach eigenen Angaben direkt. Prüfen Sie eine solche Benachrichtigung aber nie über einen Link darin, sondern melden Sie sich selbst auf ricardo.ch oder in der App an und schauen Sie dort nach. Wer ein Konto hat und in den letzten Jahren gekauft oder verkauft hat, sollte sich vorsorglich so verhalten, als seien Name, Adresse und Telefonnummer in fremden Händen.
Muss ich mein Ricardo-Passwort jetzt ändern?
Nach Angaben der Ricardo-Mutter SMG waren Passwörter und E-Mail-Adressen nicht betroffen. Eine Änderung ist deshalb nicht zwingend. Sinnvoll ist sie trotzdem, wenn Sie dasselbe Passwort auch bei anderen Diensten verwenden. Ändern Sie es direkt auf ricardo.ch, niemals über einen Link aus einer SMS oder WhatsApp-Nachricht.
Ein Käufer will mich per WhatsApp kontaktieren und schickt einen Zahlungslink. Ist das Betrug?
Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ja. Als Verkäufer müssen Sie nie Kartendaten eingeben oder ein Bankkonto über einen Link verifizieren, um Geld zu erhalten. Wickeln Sie Kommunikation und Zahlung ausschließlich über die Ricardo-Plattform ab und brechen Sie den Kontakt ab, sobald jemand auf WhatsApp, SMS oder eine externe Seite ausweichen will.
Gilt bei Ricardo die DSGVO?
Ricardo ist ein Schweizer Anbieter. Maßgeblich ist deshalb in erster Linie das revidierte Schweizer Datenschutzgesetz. Es verpflichtet Unternehmen, schwere Verletzungen der Datensicherheit so rasch als möglich dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten zu melden. Ricardo hat diese Meldung nach eigenen Angaben erstattet.
Kann ich wegen des Ricardo-Datenlecks Schadenersatz verlangen?
Das lässt sich heute nicht seriös beurteilen. Ob Ansprüche bestehen könnten, hängt davon ab, welche Daten tatsächlich abgeflossen sind, ob sie missbraucht werden und welches Recht im Einzelfall anwendbar ist. Bewahren Sie die Benachrichtigung von Ricardo und verdächtige Nachrichten auf, damit Sie später belegen können, was Sie erreicht hat.

Warum ein einmaliger Check nach dem Ricardo-Leck trügt

Heute weiß niemand genau, in wessen Händen die 890.000 Datensätze gelandet sind und was mit ihnen geschieht. Bis die Ermittlungen etwas ergeben, vergehen erfahrungsgemäß Wochen oder Monate, und erbeutete Daten tauchen in aller Regel nicht sofort im Darknet auf: Meist werden sie zunächst im kleinen Kreis verkauft, mit anderen Beständen zusammengeführt und erst später breit gehandelt oder als Sammlung veröffentlicht. Genau bei diesem Zusammenführen bekommen Name, Adresse und Telefonnummer häufig die passende E-Mail-Adresse aus einem anderen Leck dazu. Unser Darknet-Radar überwacht Ihre hinterlegte E-Mail-Adresse fortlaufend und meldet sich sofort, sobald sie infolge eines Hacks oder einer Datenpanne im Darknet auftaucht oder gehandelt wird, also dann, wenn Ihre Daten tatsächlich kursieren, und nicht erst nach dem ersten gelungenen Betrugsanruf. Im Tarif Tiefenreinigung kommt der Schadensersatz-Service hinzu: Sind Sie von einem Vorfall betroffen, weisen wir Sie auf passende Sammel- oder Musterklagen und mögliche Ansprüche hin, etwa nach Art. 82 DSGVO, damit Sie Ihre Rechte gegenüber dem verantwortlichen Unternehmen unter Umständen wahrnehmen können. Wir informieren über solche Verfahren, leisten aber keine eigene Rechtsberatung. Ein kostenloser Check zeigt nur Leaks, die bereits veröffentlicht sind; vor den künftigen warnt erst das laufende Monitoring.

In welchen bekannten Leaks steckt Ihre Adresse schon?

Geben Sie die E-Mail-Adresse ein, mit der Sie auf Marktplätzen und in Shops unterwegs sind, und sehen Sie in Sekunden, in welchen veröffentlichten Datenlecks sie bereits vorkommt. Kostenlos und ohne Passwort.

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Ob ein Marktplatz seine Server dicht hält, liegt nicht in Ihrer Hand. Wie viele Kopien von Name, Anschrift und Rufnummer sonst noch im Umlauf sind, und ob Sie rechtzeitig von einem neuen Fund erfahren, schon. Datenputzer verlangt die Löschung bei über 100 Adress- und Werbebrokern und schlägt Alarm, sobald Ihre Adresse im Darknet gehandelt wird.

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