Ratgeber & Datenschutz

Kundenkarten: Was Payback & Co. wirklich über Sie wissen

Von Kevin Pabst
IT-Security Expert
Kundenkarten Payback Datenschutz Profiling beim Bezahlen an der Kasse
Bildquelle: Unsplash

Ein paar Punkte hier, ein kleiner Rabatt dort: Kundenkarten und Bonusprogramme wirken wie ein nettes Dankeschön fürs Einkaufen. Tatsächlich liefern Sie damit eine der wertvollsten Informationen der digitalen Wirtschaft, nämlich was Sie wann, wo und wie oft kaufen.

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Die schnelle Antwort: Kundenkarten und Bonusprogramme wie Payback, DeutschlandCard oder Lidl Plus belohnen Sie mit kleinen Rabatten, erhalten im Gegenzug aber einen sehr genauen Einblick in Ihr Konsumverhalten. Aus jedem Einkauf entsteht ein detailliertes Profil, das der Eigen- und Partnerwerbung dient. Mit Auskunft, Widerspruch und Löschung holen Sie die Kontrolle zurück.

Auf einen Blick: Kundenkarten & Datenschutz

  • Der eigentliche Wert ist Ihr Warenkorb, nicht der Rabatt.
  • Aus Einzelkäufen wird ein lückenloses Konsumprofil.
  • Die App sammelt meist deutlich mehr als die Plastikkarte.
  • Auskunft, Widerspruch und Löschung sind Ihr gutes Recht.

Das eigentliche Geschäftsmodell: Ihr Warenkorb als Datenquelle

Ein Bonusprogramm verschenkt keine Punkte aus Nächstenliebe. Der Rabatt ist die Eintrittskarte zu einer Information, die im klassischen Marketing kaum erreichbar ist: Ihrem realen Einkaufsverhalten im Geschäft. Online wird ohnehin alles getrackt, doch was Sie an der Supermarktkasse, in der Drogerie oder an der Tankstelle in den Wagen legen, bleibt normalerweise im Verborgenen. Genau diese Lücke schließen Kundenkarten.

Beim Beitritt geben Sie zunächst Stammdaten an: Name, Anschrift, Geburtsdatum, oft auch E-Mail und Telefonnummer. Allein die Adresse erlaubt über sogenannte Geo-Scoring-Verfahren bereits grobe Rückschlüsse auf Ihre Kaufkraft, also auf das wahrscheinliche Einkommen in Ihrem Wohnumfeld. Mit jedem weiteren Einkauf, bei dem Sie die Karte scannen, kommt eine neue Datenzeile hinzu: Uhrzeit, Filiale, gekaufte Produkte, Menge und Preis. Je öfter Sie die Karte zücken, desto schärfer wird das Bild.

Aus diesen Einzelpunkten entsteht im Hintergrund ein zusammenhängendes Konsumprofil. Wer regelmäßig Babynahrung kauft, hat vermutlich Nachwuchs. Wer plötzlich glutenfreie Produkte wählt, hat möglicherweise eine Unverträglichkeit. Wie aus solchen scheinbar harmlosen Einzelsignalen erstaunlich treffsichere Vorhersagen werden, haben wir in unserer Analyse zum Informations-Clustering bei der Datensammlung ausführlich beschrieben.

Security Alert / Real Talk

Rechnen Sie nach: Bei vielen Programmen erhalten Sie pro zwei Euro Umsatz einen Punkt im Wert von einem Cent. Das ist ein Rabatt von etwa 0,5 Prozent. Für diesen halben Cent pro Euro verraten Sie, ob Sie rauchen, welche Medikamente Sie kaufen und wie sich Ihr Leben verändert. Kaum ein Datensatz ist so günstig zu haben wie dieser.

Wo die Daten hinfließen: zwischen Eigenwerbung und Partnernetzwerk

An dieser Stelle ist eine saubere Unterscheidung wichtig, denn pauschale Behauptungen helfen niemandem. Die großen deutschen Programme betonen, dass sie keine Adressdaten an Dritte verkaufen. Das ist glaubwürdig und sollte nicht in Zweifel gezogen werden. Der Punkt ist ein anderer: Verkaufen muss niemand, weil die Auswertung im eigenen Haus oder im eigenen Partnernetzwerk stattfindet.

Ein Bonusprogramm ist typischerweise ein Verbund vieler Partnerunternehmen, vom Supermarkt über die Tankstelle bis zum Online-Shop. Innerhalb dieses Verbunds können Ihre Einkaufs- und Nutzungsdaten zusammengeführt und für zielgerichtete Werbung genutzt werden, sofern Sie eingewilligt haben. Genau diese Einwilligung erteilen viele Menschen beim Beitritt, ohne es bewusst wahrzunehmen, weil die entsprechende Klausel im Antrag oft beiläufig formuliert ist. Schwarze Schafe in der weiteren Werbebranche könnten zudem versuchen, parallel erhobene Signale aus Apps, Cookies und Tracking mit solchen Konsuminteressen zu verknüpfen. Wie schnell aus harmlosen Bröckchen ein Gesamtbild wird, zeigt auch unser Beitrag zu Gewinnspielen als Datenfalle.

Plastikkarte gegen App: der unterschätzte Unterschied

Viele Programme drängen sanft in ihre App, meist mit dem Versprechen exklusiver Coupons. Aus Datenschutzsicht ist dieser Schritt jedoch alles andere als neutral. Die klassische Plastikkarte erzeugt nur dann Daten, wenn Sie an der Kasse scannen. Eine App auf Ihrem Smartphone kann hingegen weit mehr: Sie kann je nach erteilten Berechtigungen auf Standort, Gerätekennungen, Push- und Nutzungsverhalten zugreifen und liefert so ein deutlich dichteres Bild Ihres Alltags.

Das bedeutet nicht, dass jede App ein Spion ist. Es bedeutet aber, dass Sie bei der App-Nutzung bewusster entscheiden sollten, welche Berechtigungen Sie freigeben. Wer den Standortzugriff verweigert und Push-Tracking abschaltet, reduziert die zusätzliche Datenmenge erheblich, ohne auf die Coupons verzichten zu müssen.

Sie wollen nicht, dass jeder Einkauf zu einem Profil wird? Lassen Sie Ihre Werbedaten an der Quelle löschen.

Daten-Diät: Punkte sammeln mit minimaler Datenspur

Sie müssen Ihre Lieblings-Bonuskarte nicht zwingend zerschneiden. Mit der richtigen Strategie nutzen Sie die Rabatte weiter, geben aber so wenig preis wie möglich. Diese Checkliste finden Sie in dieser Form in keinem Programm-Hinweis, weil sie nicht im Interesse des Anbieters liegt:

Für den zweiten Punkt müssen Sie sich keine fragwürdige Wegwerf-Mail aus dem Netz suchen. Ein vollwertiges Alias-Postfach schützt Ihre echte Adresse und bleibt dabei voll unter Ihrer Kontrolle.

Ihre Rechte nach der DSGVO: vom Profil zurück zur Kontrolle

Bonusprogramme verarbeiten personenbezogene Daten und unterliegen damit voll der Datenschutz-Grundverordnung. Das gibt Ihnen wirksame Hebel in die Hand, die unabhängig davon gelten, ob Sie der Werbung jemals zugestimmt haben. Gehen Sie in dieser Reihenfolge vor:

Die rechtlichen Grundlagen zu Widerspruch und Löschung erklären wir Schritt für Schritt in unserem Beitrag zu Art. 17 und Art. 21 DSGVO. Eine sofort einsetzbare Formulierung liefert unser Musterbrief zur DSGVO-Löschung.

Programm-intern oder im Werbe-Ökosystem: zwei Baustellen

Damit Sie nicht das Falsche bekämpfen, lohnt eine klare Trennung. Ein Teil Ihrer Daten liegt direkt beim Bonusprogramm. Diesen Teil regeln Sie selbst über Auskunft, Widerspruch und Kündigung. Ein zweiter Teil betrifft die breitere Werbe- und Adresswirtschaft, in der Konsum- und Interessensignale über viele Stationen weiterwandern können. Diese Tabelle zeigt, wo welcher Hebel greift:

Baustelle Was dort liegt Ihr wirksamster Hebel
Beim Bonusprogramm Stammdaten, Einkaufshistorie, Coupon-Nutzung Auskunft, Widerspruch, Kündigung mit Löschung
Im Partnernetzwerk Zusammengeführte Werbeprofile der Partner Werbeeinwilligung gezielt widerrufen
Werbe- und Adressbroker Interessens- und Kaufkraftsignale aus vielen Quellen Gebündelte Löschanfrage nach Art. 17 DSGVO
Folge im Alltag Werbepost, Spam, personalisierte Anzeigen Symptome stoppen, Quelle versiegeln

Die ersten beiden Zeilen erledigen Sie mit den oben beschriebenen DSGVO-Anträgen. Die dritte Zeile ist die mühsamste, weil dort viele unabhängige Akteure mitmischen. Den dauerhaften Werbedruck, der sich daraus speist, behandeln wir auch in unserem Ratgeber Werbepost stoppen.

Schutz vor Konsum-Profiling: Welchen Vorteil bietet Datenputzer?

Den Ausstieg aus dem einzelnen Bonusprogramm können Sie selbst erledigen, das ist überschaubar. Aufwendig wird die dritte Baustelle, die Werbe- und Adresswirtschaft, in der Kaufkraft- und Interessensignale über Dutzende Stationen wandern. Diese Akteure einzeln zu ermitteln und anzuschreiben, ist eine Lebensaufgabe. Genau hier setzen wir an. Anstatt nur die Symptome wie Werbepost und Anzeigen zu bekämpfen, nutzen wir den Hebel der DSGVO: Datenputzer fordert bei über 100 Werbe- und Adressbrokern die unwiderrufliche Löschung Ihrer Datenbestände an der Quelle an.

Der Vorteil für Sie: Sie führen nicht hundert einzelne Gefechte, sondern setzen mit einem Vorgang eine ganze Welle gebündelter Löschanfragen in Gang. Aus der nervenaufreibenden Einzeljagd wird ein systematischer Frühjahrsputz Ihrer Datenspuren. Warum Sie dabei vom hohen europäischen Datenschutzniveau profitieren, lesen Sie in unserem Beitrag Datenbroker löschen: Der EU-Vorteil.

Ihr Konsumprofil im Umlauf?

Stoppen Sie das Profiling an der Wurzel. Wir senden juristisch fundierte Löschanfragen an die Werbe- und Adressbroker, die mit Ihren Daten handeln.

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Häufige Fragen (FAQ)

Verkaufen Payback und andere Programme meine Adresse an Datenbroker?
Die großen Programme geben an, keine Adressdaten zu verkaufen. Ihre Einkaufsdaten werden jedoch zu detaillierten Profilen verdichtet und für Eigen- und Partnerwerbung genutzt, häufig auf Basis einer Einwilligung, die viele beim Beitritt unbemerkt erteilen. Prüfen Sie daher, welcher Datenverarbeitung Sie konkret zugestimmt haben, und widerrufen Sie diese Einwilligung bei Bedarf.
Lohnt sich der Rabatt bei Kundenkarten überhaupt?
Der typische Gegenwert liegt bei vielen Programmen bei rund 0,5 bis 1 Prozent des Einkaufswerts. Für diesen geringen Rabatt geben Sie ein lückenloses Bild Ihres Konsumverhaltens preis. Verbraucherzentralen fassen das mit dem Satz zusammen: wenig Rabatt für viel Information.
Sammelt die App mehr Daten als die Plastikkarte?
In der Regel ja. Eine App kann zusätzlich auf Standort, Gerätekennungen, Push-Verhalten und Nutzungsdaten zugreifen. Damit entsteht ein deutlich genaueres Profil als bei der reinen Plastikkarte, die nur beim Bezahlen an der Kasse Daten erzeugt. Beschränken Sie die App-Berechtigungen in den Telefoneinstellungen.
Wie lösche ich meine bei einem Bonusprogramm gespeicherten Daten?
Sie haben ein Recht auf Auskunft (Art. 15 DSGVO), auf Widerspruch gegen Werbung und Profiling (Art. 21 DSGVO) und auf Löschung (Art. 17 DSGVO). Kündigen Sie das Programm und fordern Sie die Löschung der nicht mehr benötigten Marketingdaten an. Für die parallele Werbedaten-Wirtschaft hilft zusätzlich eine gebündelte Löschanfrage an die relevanten Werbe- und Adressbroker.

Machen Sie sich unsichtbar.

Jeder Einkauf erzählt eine Geschichte über Sie. Drehen Sie den Spieß um: Lassen Sie Ihre Datenspuren bei den Werbebrokern systematisch löschen und entziehen Sie dem Profiling die Grundlage.

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