ASOS-Datenleck: Hacker verschicken Drohung über die Kunden-App

Von Kevin Pabst •
IT-Security Expert
ASOS Datenleck 2026: T-Shirts auf einer Kleiderstange als Sinnbild für die Kundendaten eines Online-Modehändlers
Bildquelle: Unsplash (Gemeinfrei)

Die Drohung kam nicht per Spam, sondern aus der App, der Sie vertrauen. Benachrichtigt werden, falls Ihre ASOS-Adresse im Darknet auftaucht

Die schnelle Antwort: Am 6. Oktober 2026 haben Unbekannte über die offizielle ASOS-App eine Push-Nachricht mit dem Titel "ASOS HACKED" an Kunden verschickt, auch in Deutschland. ASOS bestätigt einen unbefugten Zugriff auf Plattformen zur Kundenkommunikation. Namen und Kontaktdaten könnten abgeflossen sein, Passwörter und Kartendaten nach Angaben des Händlers nicht. Wer ein ASOS-Konto hat, sollte mit gezielten Phishing-Nachrichten rechnen.

Der Vorfall in vier Zahlen

  • 17 Mio. Kunden hat ASOS weltweit, wie viele davon betroffen sind, ist offen
  • 1 Push-Nachricht der Täter erreichte Tausende App-Nutzer, auch in Deutschland
  • 0 Passwörter und Kartendaten sind nach Einschätzung von ASOS betroffen
  • 10 % verlor die ASOS-Aktie am Dienstagmorgen nach Bekanntwerden

Der Vorfall im Zeitverlauf

  1. 6. Oktober, Vormittag "ASOS HACKED" erscheint auf den Handys Die Täter drohen über die App mit der Veröffentlichung von Daten.
  2. 6. Oktober ASOS bestätigt den Zugriff Der Zugang zu den Benachrichtigungsplattformen wird gesperrt.
  3. 7. Oktober Umfang weiter unklar Der behauptete Einbruch in die Snowflake-Datenbank ist nicht bestätigt.
  4. Jetzt Nachwellen abfangen Nachrichten im Namen von ASOS kritisch prüfen, Konto absichern.

Was bei ASOS passiert ist

Am Dienstagvormittag, dem 6. Oktober 2026, leuchtete auf den Smartphones vieler ASOS-Kunden eine ungewöhnliche Mitteilung auf. Absender war nicht irgendeine Spam-Adresse, sondern die offizielle App des britischen Online-Modehändlers. Unter der Überschrift "ASOS HACKED" wandte sich der Text auf Englisch an den Datenschutzbeauftragten und die IT-Abteilung von ASOS: Man habe die "Snowflake-Instanz vollständig kompromittiert", ASOS solle sich melden, sonst würden die Daten veröffentlicht. Dazu ein Link auf einen Kanal im Messenger Telegram. Nach einem Bericht von heise online erhielten übereinstimmend Tausende Nutzer die Nachricht, auch in Deutschland.

Die Nachricht war also keine Botschaft an die Kunden, sondern eine öffentliche Erpressung des Unternehmens, für die die Kunden als Bühne dienten. Wer so etwas über den offiziellen Kanal eines Händlers mit weltweit rund 17 Millionen Kunden verschicken kann, beweist vor allem eines: Er hatte zumindest zeitweise die Kontrolle über das Werkzeug, mit dem ASOS sonst Rabattaktionen und Versandmeldungen verschickt.

ASOS hat den Vorfall noch am selben Tag bestätigt. Gegenüber BleepingComputer und weiteren Medien erklärte das Unternehmen, man untersuche unbefugte Aktivitäten auf Plattformen von Drittanbietern, die zur Kommunikation mit Kunden genutzt werden, und habe den Zugang zu den Benachrichtigungssystemen sofort eingeschränkt. Grundlegende persönliche Informationen, darunter Namen und Kontaktdaten, könnten eingesehen worden sein. Man gehe nicht davon aus, dass Zahlungskartendaten oder Passwörter betroffen sind.

Die Täter nennen sich "Xuanye Group". Über die Gruppe ist praktisch nichts bekannt, sie ist bislang nicht durch frühere Angriffe aufgefallen. Belege für den behaupteten Diebstahl haben sie nach bisherigem Stand nicht veröffentlicht. Ob tatsächlich die Snowflake-Datenbank von ASOS kopiert wurde, also der Cloud-Datenspeicher, in dem viele Unternehmen Kunden- und Bestellinformationen für Auswertungen zusammenführen, hat ASOS ausdrücklich nicht bestätigt. Diese Behauptung ist derzeit nur eine Angabe der Täter.

Security Alert / Real Talk

Diesmal stand "HACKED" in der Überschrift, und jeder wusste sofort, dass etwas nicht stimmt. Gefährlich wird ein gekaperter Benachrichtigungskanal aber erst, wenn er unauffällig benutzt wird: "Ihr Paket konnte nicht zugestellt werden, bitte Adresse bestätigen", abgeschickt aus der echten App, mit dem echten Logo, an Menschen, die gerade tatsächlich auf eine Lieferung warten. Dass die Täter ausgerechnet die laute Variante gewählt haben, ist für die Kunden fast ein Glücksfall.

Bin ich betroffen? Die Prüfung in vier Fragen

ASOS hat bislang weder eine Betroffenenzahl genannt noch einzelne Kunden darüber informiert, wessen Datensatz eingesehen wurde. Die Push-Nachricht selbst ist kein Beleg dafür, dass Ihre Daten kopiert wurden: Sie ging offenbar breit an App-Nutzer. Die folgenden Fragen helfen bei der Einordnung.

Bin ich betroffen? In vier Fragen

1
Haben Sie ein Kundenkonto bei ASOS, egal ob über die App oder die Website, auch wenn die letzte Bestellung Jahre zurückliegt?
Ja: Name und Kontaktdaten liegen bei ASOS. Behandeln Sie sich als möglicherweise betroffen, weiter zu Frage 2. Nein, nie: Von diesem Vorfall sind Sie nach heutigem Stand nicht betroffen.
2
Nutzen Sie Ihr ASOS-Passwort auch bei einem anderen Dienst, etwa beim Mail-Postfach, bei PayPal oder Amazon?
Ja: Ändern Sie es heute bei allen Diensten, nicht nur bei ASOS. Nein: weiter zu Frage 3.
3
Haben Sie den Telegram-Link in der Push-Nachricht geöffnet oder dort geschrieben?
Ja: Die Täter können Ihren Telegram-Namen und unter Umständen Ihre Telefonnummer sehen. Rechnen Sie mit Kontaktversuchen. Nein: weiter zu Frage 4.
4
Haben Sie seit dem 6. Oktober eine Mail, SMS oder Push-Nachricht "von ASOS" bekommen, die zu einer Zahlung, Bestätigung oder Anmeldung auffordert?
Ja: Nicht klicken. Öffnen Sie die App oder die Website selbst und prüfen Sie dort, ob es den Vorgang wirklich gibt. Nein: Arbeiten Sie trotzdem die Schritte unten ab.
Wer die erste Frage mit Ja beantwortet, sollte die Schritte weiter unten abarbeiten. Ob gerade Ihr Datensatz abgeflossen ist, wird sich erst zeigen, wenn ASOS die Untersuchung abschließt oder die Daten irgendwo auftauchen.

Welche Daten im Spiel sind und welches Risiko daraus folgt

ASOS spricht von "grundlegenden persönlichen Informationen". Das klingt harmlos und ist für Ihr Bankkonto auch tatsächlich keine unmittelbare Gefahr. Der eigentliche Wert eines solchen Datensatzes liegt darin, dass er Betrügern verrät, wer bei welchem Händler Kunde ist. Genau das macht eine gefälschte Nachricht glaubwürdig.

Entscheidend ist dabei weniger der einzelne Datensatz als sein weiterer Weg. Kopierte Kundenlisten werden selten nur einmal benutzt: Sie werden weiterverkauft, mit anderen Leaks zusammengelegt und noch Jahre später für neue Kampagnen ausgewertet. Ob Ihre Adresse darunter ist, sehen Sie von außen nicht. Frühwarnung einrichten, die anschlägt, sobald Ihre Adresse in einem gehandelten Datensatz auftaucht.

Warum dieser Angriff anders ist als ein normales Datenleck

Große Händler verschicken ihre Push-Nachrichten, Newsletter und Versandmails in der Regel nicht selbst, sondern über spezialisierte Dienstleister. Diese Plattformen kennen zwangsläufig die Kontaktdaten aller Empfänger, und wer dort ein Administratorkonto übernimmt, kann im Namen des Händlers an alle schreiben. Genau auf diese Art von Drittanbieter verweist ASOS in seiner Stellungnahme.

Für Sie als Kunde heißt das: Der übliche Rat "Achten Sie auf den Absender" greift bei so einem Angriff nicht. Die Nachricht kam aus der echten App. Die verlässlichere Regel lautet deshalb, nie einem Link aus einer Benachrichtigung zu folgen, wenn es um Geld, Passwörter oder Kontodaten geht, sondern den Vorgang selbst in der App oder auf asos.de aufzurufen. Gibt es ihn dort nicht, gibt es ihn nicht.

Bemerkenswert ist auch der Zeitpunkt: ASOS musste bereits im Sommer 2026 Kunden in den USA informieren, nachdem Unbekannte Ende Juli mit andernorts erbeuteten Zugangsdaten in rund 139.000 Kundenkonten eingedrungen waren. Dieses Credential Stuffing, also das automatisierte Ausprobieren gestohlener Passwort-Kombinationen an der Login-Tür, ist ein eigener, älterer Vorfall. Er zeigt aber, dass ASOS-Konten für Angreifer ein lohnendes Ziel sind, und dass wiederverwendete Passwörter das eigentliche Einfallstor sind.

Was Sie jetzt konkret tun sollten

Die folgenden Schritte dauern zusammen etwa zehn Minuten. Sie sind auch dann sinnvoll, wenn sich später herausstellt, dass Ihr Datensatz nicht dabei war.

Diese Schritte schützen Ihr ASOS-Konto. Was sie nicht leisten können: Ihnen zu sagen, ob und wann die erbeuteten Daten verkauft werden. Darknet-Überwachung für Ihre E-Mail-Adresse aktivieren und erfahren, wenn es so weit ist.

Was die DSGVO von ASOS verlangt

ASOS sitzt in Großbritannien, bietet seine Waren über asos.de aber gezielt Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz an. Für EU-Kunden gilt damit die DSGVO. Sie verpflichtet das Unternehmen, eine Datenpanne binnen 72 Stunden der zuständigen Aufsichtsbehörde zu melden und Betroffene direkt zu informieren, wenn ein hohes Risiko für sie besteht (Art. 33 und 34 DSGVO). Ob ASOS Kunden individuell anschreibt, hängt davon ab, was die laufende Untersuchung ergibt. Achten Sie darauf: Eine echte Benachrichtigung verlangt keine Eingabe von Zugangs- oder Zahlungsdaten.

Unabhängig davon haben Sie nach Art. 15 DSGVO das Recht, bei ASOS Auskunft darüber zu verlangen, welche Daten zu Ihrer Person gespeichert sind. Ob sich aus dem Vorfall ein Anspruch auf Ersatz immaterieller Schäden nach Art. 82 DSGVO ergeben könnte, lässt sich erst sagen, wenn feststeht, welche Daten tatsächlich abgeflossen sind. Wie solche Ansprüche nach anderen Datenlecks bewertet wurden und welche Unterlagen Sie dafür schon jetzt sichern sollten, lesen Sie in unserem Überblick Entschädigung nach Datenlecks: welche Ansprüche Gerichte anerkennen und wie Sie sie belegen.

Häufige Fragen zum ASOS-Datenleck

Ich habe die Nachricht "ASOS HACKED" in der App bekommen. Bin ich damit betroffen?
Nicht zwingend. Die Push-Nachricht ging offenbar breit an App-Nutzer und beweist nur, dass die Täter den Benachrichtigungskanal von ASOS missbrauchen konnten. Ob gerade Ihr Datensatz kopiert wurde, steht damit nicht fest. Wer ein ASOS-Kundenkonto hat, sollte sich aber so verhalten, als könnten Name und Kontaktdaten in fremden Händen sein.
Muss ich mein ASOS-Passwort ändern?
ASOS geht nach eigenen Angaben nicht davon aus, dass Passwörter betroffen sind. Eine Änderung schadet trotzdem nicht und ist Pflicht, wenn Sie dasselbe Passwort auch bei anderen Diensten verwenden. Ändern Sie es direkt in der App oder auf der Website, niemals über einen Link aus einer Nachricht.
Sind meine Kreditkartendaten bei ASOS in Gefahr?
Nach Angaben von ASOS gibt es keine Hinweise darauf, dass Zahlungskartendaten betroffen sind. Eine Kartensperre ist deshalb nicht nötig. Prüfen Sie aber Ihre Abrechnungen und seien Sie misstrauisch bei jeder Nachricht, die Sie auffordert, Karte oder Zahlung zu bestätigen.
Soll ich dem Telegram-Link in der Nachricht folgen?
Nein. Die Nachricht richtete sich an ASOS selbst, nicht an Kunden. Der Link führt zu einem Kanal der Täter. Wer ihn öffnet oder dort schreibt, verrät im ungünstigsten Fall seine Telefonnummer oder seinen Telegram-Namen an die Erpresser.
Habe ich Anspruch auf Schadenersatz wegen des ASOS-Datenlecks?
Das lässt sich heute nicht seriös sagen. Art. 82 DSGVO kann einen Anspruch auf Ersatz auch immaterieller Schäden begründen, wenn ein Unternehmen Daten nicht ausreichend geschützt hat. Ob und in welchem Umfang das hier zutrifft, hängt davon ab, welche Daten tatsächlich abgeflossen sind und was die Ermittlungen ergeben.

Warum ein einmaliger Check bei ASOS nicht genügt

Heute weiß niemand, auch ASOS nicht, wessen Daten genau abgeflossen sind. Bis eine Untersuchung abgeschlossen ist und Betroffene informiert werden, vergehen erfahrungsgemäß Wochen, manchmal Monate. Und selbst wenn die Täter ihre Drohung wahr machen, landen solche Datensätze meist nicht sofort frei im Netz: Häufig werden sie zunächst im kleinen Kreis verkauft und erst später breit gehandelt oder als Dump veröffentlicht. Wer heute einmal prüft und nichts findet, kennt also nur den Stand von heute. Unser Darknet-Radar überwacht Ihre hinterlegte E-Mail-Adresse fortlaufend und meldet sich sofort, sobald sie infolge eines Hacks oder einer Datenpanne im Darknet auftaucht oder gehandelt wird, also genau dann, wenn der ASOS-Datensatz tatsächlich kursiert, und nicht erst nach der ersten gelungenen Phishing-Mail. Im Tarif Tiefenreinigung kommt der Schadensersatz-Service hinzu: Sind Sie von einem Vorfall betroffen, weisen wir Sie auf passende Sammel- oder Musterklagen und mögliche Ansprüche nach Art. 82 DSGVO hin, damit Sie Ihre Rechte gegenüber dem verantwortlichen Unternehmen wahrnehmen können. Wir informieren über solche Verfahren, leisten aber keine eigene Rechtsberatung. Der kostenlose Check zeigt nur bereits veröffentlichte Leaks; vor künftigen warnt erst das laufende Monitoring.

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Welche Dienstleister ein Modehändler mit Ihren Kontaktdaten betraut, entscheiden Sie nicht. Sie entscheiden aber, welche Adresse Sie dort hinterlassen und ob Sie es rechtzeitig erfahren, wenn diese Adresse im Darknet angeboten wird. Mit eigenen Alias-Postfächern pro Shop und dem Darknet-Radar behalten Sie beides im Blick.

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